Rundgang im Kernkraftwerk Krümmel
Von: Deian I.Seit Juni 2007 produziert das Kernkraftwerk Krümmel kaum noch Strom. Das Kraftwerk musste nach immer wieder eintretenden Störfällen abgeschaltet werden. Vom Sicherheitsbehälter bis zum Reaktor des Kernkraftwerkes Krümmel sind es nur wenige Schritte. Normalerweise kann man sich in diesem Bereich nicht aufhalten, da der Sicherheitsbehälter mit Stickstoff gefüllt ist, während der Reaktor läuft. Der Reaktor ist jedoch seit Längerem stillgelegt und so bieten sich dem Gast interessante Einblicke.
Der Reaktordruckbehälter ist ein 22 Meter hoher Zylinder mit einem Durchmesser von fast sieben Metern. Im Kern des Reaktors sind mehrere Tausend radioaktive Brennstäbe aneinandergereiht. Beim Reaktorbetrieb schießen Neutronen auf die Stäbe und spalten das Uran. Dies erzeugt eine riesige Energie, die Wasser zu Dampf macht, den Dampf zu mechanischer Energie umwandelt und die mechanische Energie letztendlich Strom produziert. Seit Monaten unterbinden 205 der Stäbe die Kettenreaktion. Dennoch müssen die Pumpen laufen und das Wasser im Reaktor gekühlt werden, da die verbliebenen Brennelemente weiter Hitze produzieren. Petra Kundert vom Informationszentrum erklärt, dass man bei ein normales Kraftwerk beruhigt ausschalten kann und nach Hause gehen kann, bei einem Atomkraftwerk geht das allerdings nicht.
Mit Hilfe eines Dosimeters zählt Petra Kunert die Strahlendosis. Rund 330 Mitarbeiter von Vattenfall arbeiten in Krümmel. Viele müssen den Kontrollbereich passieren, erst wenn eine automatische Stimme sagt: "Keine Kontamination", können die Mitarbeiter weitergehen. Radioaktivität kann überall sein und Partikel können an Kleidung und Schuhen haften bleiben. Unter einem Stahlbehälter steht ein Mann, der ein kleines Gerät in einen Plastikeimer mit grünlicher Masse tunkt und diesen anschließend über einen Behälter fährt. Per Ultraschall wird die Wandstärke geprüft. Dies ist der der Jährlichen Revision. Im März werden jedes Jahr Schweißnähte überprüft, Pumpen kontrolliert und Mitarbeiter müssen hunderte Prüfaufträge durchführen.
Investitionen und die Instandhaltung des Kraftwerks kosteten seit Mitte 2007 337 Millionen Euro. Darüberhinaus kostet Vattenfall der Stillstand jeden Tag eine Million Euro. Laut Vattenfall-Chef Lars Göran Joseffson wird das Kraftwerk wohl nicht mehr dieses Jahr hochgefahren. Krümmel darf insgesamt noch 88 Terawattstunden Strom produzieren.
Nach Angaben des schwedischen Betreibers Vattenfall könnte der größte Siedewasserreaktor der Welt 1.400 Megawatt Strom pro Stunde erzeugen und damit ganz Hamburg versorgen. Seit Juni 2007 hat das Kraftwerk jedoch nur noch zwei Wochen lang Strom produziert, da eine Serie von Pannen die Produktion gefährdet hat. Zunächst gab es einen Brand im Transformator, anschließend Risse in Schweißnähten an Rohrleitungen, fehlerhaft angebrachte Dübel, ein kaputter Brennstab sowie Kommunikationsprobleme beim Personal. Am 4. Juli sorgte ein Kurzschluss im Transformator für die Abschaltung des Kraftwerks. Als wären die technischen Probleme nicht genug spürt Vattenfall den zunehmenden Widerstand seitens der Politik und der Bevölkerung. Der schwarz-grüne Senat in Hamburg und das schwarz-gelb regierte Schleswig-Holstein, das die Atomaufsicht hat, sammeln sich immer mehr Stimmen für ein Aus.
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