RWE verkauft Teil der Stromnetzsparte
Von: Deian I.Um die Energiewende zu finanzieren, hat der Energiekonzern RWE den Verkauf von einem Großteil seines Höchstspannungsnetzes vereinbart. Demnach wird die Tochter Amprion zu 74,9 Prozent an ein Konsortium von Finanzinvestoren verkauft. Dies teilte der Konzern am Donnerstag mit.
Die Transaktion muss noch vom RWE-Aufsichtsrat und den zuständigen Kartellbehörden abgesegnet werden. Das Geschäft soll anschließend bereits im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein. Mit dem Verkauf der Tochtergesellschaft will RWE die Energiewende finanzieren und gleichzeitig das Unternehmen "grüner" machen.
Der Verkauf der Tochtergesellschaft wurde von zahlreichen Experten bereits vorausgesagt. Nach E.ON und Vattenfall ist RWE nun der dritte Versorger, der sein Netzgeschäft abgibt. EnBW, der vierte Konzern in der Runde, ist auf der Suche nach einem Partner für sein Netz.
Eigenen Angaben zufolge betreibt Amprion mit seinem rund 11.000 Kilometer lange Leitungen zwischen Niedersachsen und der Grenze zu Österreich und der Schweiz das längste Höchstspannungsnetz Deutschlands. Jedes Jahr investiert die Netztochter 100 Millionen EUR in den Erhalt der Netze. Mit dem Verkauf des Geschäfts entlastet er gleichzeitig die angespannte Bilanz, der eigenen Angaben zufolge mehrere Milliarden EUR durch den Atomausstieg fehlen.
Zuäsitzlich sorgen die schwachen Gewinne aus der Kernkraft für zusätzliches Kopfzerbrechen bei RWE. Bis 2013 will der Essener-Konzern 3,9 Milliarden EUR in erneuerbare Energien investieren, hauptsächlich in die Offshore-Windenergie. In mehreren Etappen soll nun ein Ausgleich für die wegfallenden Kapazitäten der Atomkraftwerke mit Hilfe der erneuerbaren Energien geschaffen werden.
Die Tochtergesellschaft Amprion ist nur ein Teil des Vorhabens, sich finanzielle Mittel zu beschaffen. Anfang August will das Management-Team zusammen mit dem Aufsichtsrat eine Kapitalerhöhung besprechen. Dies sagte Großman vergangene Woche den Aktionären. Auch die Veräußerung der britischen Tochter NPower soll Medienberichten zufolge geprüft werden.
Der Energieversorger E.ON hat sein Überlandnetz vor einiger Zeit an den Netzbetreiber Tennet aus der Niederlande verkauft. Auch der skandinavische Konkurrent Vattenfall musste seine Höchstspannungsleitungen aus Kostengründen an den belgischen Netzbetreiber Elia und einen australischen Infrastrukturfonds abgeben. EnBW prüft derweilen einen Teilverkauf seines Hochspannungsnetzes, will sich aber nicht komplett davon trennen.
Laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur müssen in den nächsten Jahren rund 3.600 Kilometer Höchstspannungsstrassen gebaut werden, um den Strom, der in Windparks in der Nordsee erzeugt wird, bis in den Süden Deutschlands transportieren zu können. Die Kosten für das Projekt sollen sich auf etwa 10 Milliarden EUR belaufen.
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