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26. August 2010, 22:54 Uhr Alter: 2 Jahre

Studie: Atomstrom doch nicht so billig

Von: Deian I.

Bisher argumentieren die AKW-Betreiber, dass Atomstrom billiger als die erneuerbaren Energien ist und ein frühzeitiger Atomausstieg steigende Strompreise zur Folge haben wird. Eine aktuelle Studie zeigt das genaue Gegenteil, denn die Steuerzahler müssen seit Jahren die Kosten für die Vergünstigungen tragen.

Im Streit um die Verlängerung der AKW-Laufzeiten hebt die Energie-Industrie gerne hervor, dass Atomkraft billigeren Strom als andere Energien produziert. Laut ranghohen Wirtschaftsführern kann nicht ohne Weiteres auf Kohle- und Atomenergie verzichtet werden, wenn Strom für alle bezahlbar bleiben soll. Umweltverbände protestieren gegen diese Behauptungen, da die Atomindustrie seit Jahrzehnten durch direkte und indirekte Subventionen vom Staat gefördert wird.

Nach Angaben der Agentur für erneuerbare Energien kann eine Kilowattstunde (kWh) Strom in einem alten Kraftwerk für etwa einen Cent produziert werden. Bei Storm aus Erdöl können allein 15 Cent pro kWh von den so genannten Stromgestehungskosten hinzu. Bei Windenergieanlagen liegt dieser Betrag etwa halb so hoch.

Nicht nur Energielieferanten von Kohle sowie Solaranlagen werden in Deutschland subventioniert, auch die Atomkraft-Betreiber konnten in den vergangenen Jahren dank der umfangreichen Unterstützung vom Staat billigen Strom produzieren. Im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace untersuchte das Forum für Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im vergangenen Jahr unterstützte der Staat die deutsche Atomindustrie von 1950 bis 2008 - gerechnet in realen Preisen - mit etwa 165 Milliarden Euro. Jedes Jahr kommen weitere Milliarden hinzu.

Von den Umweltorganisationen und zuständigen Ministerien wird der Begriff Subvention unterschiedlich interpretiert. Im aktuellen 22. Subventionsbericht des Bundesfinanzministeriums werden keine gesonderten Fördergelder für die Atomindustrie aufgeführt. In einem älteren Bericht für den Zeitraum 1950 - 2008 werden lediglich Fördergelder in Höhe von weniger als 200 Millionen Euro für die vom Tschernobyl-Atomunfall geschädigte Landwirtschaft aufgeführt.

Bisher kann allerdings nicht beweisen werden, dass die Industrie von den hohen Staatsausgaben für die Nuklearforschung profitieren kann. Zwischen 1950 und 2008 gab der Staat laut Greenpeace rund 41,2 Milliarden Euro dafür aus. Außerdem können Kraftwerksbetreiber etwa die per Gesetz erforderlichen Rückstellungen für Stilllegung und Rückbau eines Meilers selbst verwalten und investieren. Zusätzlich beteiligt sich der Staat bei der Sanierung und Schließung des Endlagers Asse und der Erkundung des geplanten Endlagers Gorleben.

In der Greenpeace-Studie wurden bisher die Kosten im Fall eines großen Atomunfalls, auch GAU genannt, nicht berücksichtigt, gegen den die AKW-Betreiber nicht vollständig versichert sind. Würde dies in der Studie berücksichtigt werden, wäre laut Greenpeace-Experte Andree Böhning die Kilowattstunde Atomstrom mit schätzungsweise bis zu 2,70 Euro nicht mehr bezahlbar.


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