TelDaFax-Insolvenzverwalter fordert Geld vom Fiskus
Von: Deian I.Zur Abwechslung soll der Fiskus zahlen - Deutschlands größtes Insolvenzverfahren nimmt eine überraschende Wende. Der Insolvenzverwalter von TelDaFax, Biner Bähr, fordert die Steuerzahlungen des zahlungsunfähigen Unternehmens zurück, um den Gläubigern des Konzerns einen Teil ihrer Investitionen zurückzahlen zu können.
Während einer Gläubigerversammlung kündigte Bähr am Dienstag an, dass es konkret um eine Summe in Höhe von bis zu 140 Millionen EUR geht. Bislang wurden vom Kölner Hauptzollamt rund 4 Millionen EUR zurückgezahlt. Grund für die Forderung der Rückzahlung sei, dass der Fiskus die Steuern einkassiert hatte, obwohl ihm die Lage des Konzerns bekannt gewesen sein musste.
Der Strom-Discounter meldete im Sommer dieses Jahres Insolvenz an, nachdem der Schuldenberg über mehrere Monate immer mehr anwuchs. Bähr sagte während der Versammlung, dass der Schuldenberg wahrscheinlich eine halbe Milliarde EUR beträgt und die Zahlungen der Finanzkasse diese Schulden nicht begleichen können. Das Vermögen des Unternehmens liegt aktuell bei nur 6,9 Millionen EUR.
Um den Schuldenberg abzubauen, will Bähr unter anderem Haftungsklagen gegen die ehemalige Führungsspitze des Energieversorgers einleiten. Diese hat sich laut Bähr mit der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht. Die Insolvenz hätte nach Meinung von Bähr bereits Mitte 2009 eingetreten.
Mit seinem Vorauskasse-Modell hielt sich der Strom-Discounter über Jahre hinweg nur scheinbar über Wasser. Nun schuldet TelDaFax 750.000 Gläubigern Geld, von denen sich nur rund 100 zur Versammlung in die Kölner Staatenhalle einfanden. Bähr sagte während der Versammlung, dass das Insolvenzverfahren seiner Einschätzung zufolge mehr als 6 Jahre dauern könnte.
Nach Angaben des Insolvenzverwalters ist der Grund für die Pleite des Energiekonzerns der Versuch der TelDaFax-Spitze, das Unternehmen "hübsch zu machen". Durch das Vorkasse-Modell wurden innerhalb kurzer Zeit viele Kunden angelockt, um den Stromversorger für einen Käufer attraktiv erscheinen zu lassen. Dabei war es gleichgültig, ob dabei Gewinn oder Verlust entstand. Das Schneeballsystem brach letztendlich im Herbst 2010 zusammen, als die Probleme des Strom-Discounters durch Medienberichte bekannt wurden.
Ähnliche Nachrichten: