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1. March 2010, 09:32 Uhr Alter: 2 Jahre

Vattenfall verkauft deutsches Energienetz

Von: Deian I.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall will seine deutsches Strom-Übertragungsnetz verkaufen. Laut Informationen von WELT KOMPAKT aus Finanzkreisen soll in den nächsten Tagen ein Angebot des belgischen Netzbetreiber Elia in Höhe von 800 Millionen Euro an die Vattenfall Europe AG gemacht werden. Die Finanzinvestoren Goldman Sachs, Deutsche Bank und Allianz haben bereits einen ähnlich hohes Angebot eingereicht. Der Verkauf der 9700 Kilometer langen Stromleitung stellt für die Bundesregierung bei einer Abgabe an die Belgier eine energiepolitische Niederlage dar. Ziel der schwarz-gelben Koalition war es aus den vier Energieriesen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall eine "Deutsche Netz AG" zu gründen. So heißt es im Koalitionsvertrag zwischen Union und FDP: "Wir setzen uns dafür ein, die deutschen Übertragungsnetze in einer unabhängigen und kapitalmarktfähigen Netzgesellschaft zusammenzuführen."

 

Das Projekt Netz-Gesellschaft sollte die Stromleitungen für den Abtransport von Windenergie aus Norddeutschland ausbauen. Darüberhinaus sollte die Netz AG den Wettbewerb fördern und damit die Preise senken. Die Bundesregierung legte jedoch eine Finanzierung der AG stets ab.Demnach führt das Bundeswirtschaftsministerium nur Gespräche mit den Eigentümern und Erwerbern der Netze. Mittlerweile sieht es jedoch danach aus, dass die Bundesregierung die Kontrolle über diesen entscheidenden Teil der deutschen Energie-Infrastruktur nicht übernehmen kann. Vor einer Woche verkaufte E.ON sein Höchstspannungsnetzes an den niederländischen Netzbetreiber Tennet. Sollte auch das Vattenfall-Netz an den belgischen Konzern Elia gehen, lässt sich eine nationale Stromnetz-Gesellschaft nicht mehr realisieren. Bisher ist noch unklar ob die Folgekosten der Investition von der belgischen Firma getragen werden können. Immerhin soll die Vattenfall-Netztochter in den folgenden jahren 3,5 Milliarden Euro in die Leitungen investieren, um diese für die boomende Windkraft auszurüsten. Laut Standard & Poor's stellt dieser Kauf für Elia ein finanzielles Risiko für die Firma da. Ende vergangenen Jahres verfügte Elia über 90 Millionen Euro in bar und zugesagten Kreditlinien von 285 Millionen Euro.

 

Das Vattenfall-Netz hat auf Grund der nähe zu den nord- und ostdeutschen Windkraft-Anlagen eine wichtige Rolle für den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland. Das Übertragungsnetz wird von 50 Hertz betrieben und sichert die Stromversorgung für 18 Millionen Menschen sowie die Netzintegration von 41 Prozent der in Deutschland installierten Windkrafleistung. Im vergangenen Jahr versuchte Lars Göran Josefsson, Chef des schwedischen Vattenfall-Holding, bereits die 50 Hertz Transmission GmbH zu kaufen, jedoch legte bis Jahresende nur die Firma Goldman Sachs ein Angebot in Höhe von 500 Millionen Euro vor. Im Januar legte Elia ein Gebot von 650 Millionen Euro vor, welches Goldman-Sachs mit 800 Millionen Euro konterte. Die Belgier gehen als Sieger hervor mit der beschlossenen formalen Summe von über 800 Millionen Euro.



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