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28. February 2010, 13:26 Uhr Alter: 2 Jahre

Werden Strompreise manipuliert?

Von: Deian I.

Verbraucherschützer sagen seit Jahren, dass die ansteigenden Strompreise eine Manipulation sind, während Anbieter es Gestaltungsfreiheit nennen. Seit über zehn Jahren steigt der Strompreis, wobei er eigentlich sinken müsste. Ein Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden musste 1998 durchschnittlich 50 Euro im Monat für Strom bezahlen. Heute bezahlen wir für den selben Verbrauch 67,70 Euro. Das entspricht mehr als 800 Euro im Jahr. Der Trend geht weiter, allein in den ersten Monaten dieses Jahres erhöhten 300 Anbieter ihre Stromtarife durchschnittlich um sechs Prozent.

 

Die Europäische Union hatte eigentlich Mitte der Neunzigerjahre mehr Wettbewerb unter den Stromanbietern angekündigt. 1998 wurde die EU-Binnenmarktrichtlinie Elektrizität von Deutschland errichtet, die für Verbraucher den Markt öffnen sollte, indem mehr Anbieter zur Auswahl stehen und demnach Preise sinken. Leider konnten Verbraucher von sinkenden oder gleichbleibenden Preisen nur träumen. Zwischen 1998 und 2000 sind die Strompreise zwar gesunken, seitdem steigen sie aber kontinuierlich. 2003 übertraf der Monatspreise für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh die 50-Euro-Marke, 2007 folgte die 60-Euro-Marke. Die Erklärung der Stromwirtschaft sind zum Einen staatliche Belastungen, die Preisentwicklung an der Strombörse sowie die Kosten für Emissionszertifikate, die 2005 in Kraft traten. Außerdem sieht das Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) vor, den Solarstrom mit rund 40 Cent zu vergüten. Die Mehrkosten übertragen Stromkonzerne auf die Kunden.

 

Verbraucherschützer zweifeln an den Gründen der Stromanbieter für die Preissteigerungen. In Wahrheit steckten Wettbewerbsverzerrung und Marktmacht des Oligopols dahinter. Laut Verbraucherschützern würden die großen Stromanbieter mit Manipulationen an der Strombörse und überhöhten Netznutzungsentgelten den Wettbewerb bewusst verhindern. Verbraucher können sich nur besser informieren und Preise vergleichen. Laut Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher sind die wahren Schuldigen für die Erhöhung der Strompreise Stromerzeuger und Stromversorger. Die schwankenden Börsenpreise und staatlichen Abgaben sollen werden nur als Vorwand genutzt. Sven Bode vom Arrhenius Institut für Klimapolitik, der auch Händler an der Strombörse ist, sieht es als Aufgabe der Monopolkommission und des Kartellamts für mehr Wettbewerb zu sorgen.

 

Laut Peters hat sich der Erlös für die Stromerzeugung von 3,56 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2006 auf 6,24 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2009 erhöht. Dabei waren die 3,56 Cent mehr als genug. Jährlich soll sich die Stromwirtschaft um fast sechs Milliarden Euro ohne Gegenleistung bereichern oder in erneuerbare Energien zu investieren. Dafür werden nämlich die Stromverbraucher indirekt ausgenutzt. Weiterhin kritisiert der Verbraucherschützer die Beschaffungspolitik der Stromwirtschaft, die letztendlich Einfluss auf den Verbrauchspreis von Strom habe. Im Sommer 2008 zum Beispiel ist der Preis für Strom an den Börsen stark angestiegen. Wenn Unternehmen zu diesem Zeitpunkt Strom gekauft haben, geben sie nun den erhöhten Preis an die Verbraucher weiter. Letztendlich ist es schwer Beweise zu finden, dass Anbieter ihre Preismacht ausnutzen. Die Freie Preisgestaltung ist immerhin ein Teil der freien Marktwirtschaft. Verbrauchen können sich also nur gegen die hohen Preise wehren, indem sie den Anbieter wechseln. Leider machen bisher nur wenige Verbraucher von der Möglichkeit den Anbieter zu wechseln Gebrauch. Seit 1998 hat nur jeder fünfte Stromkunde den Anbieter gewechselt.



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